Montag, 27. Juni 2011

15 Irkutsk - Olchon - Irkutsk



Wir machen einen Abstecher zur Insel Olchon  am Baikalsee. Dabei durchfahren wir die autonome Republik Buratien, deren Hauptstadt Ulan Ude ist .
Sprache, Schrift, Essen und Kultur in Buratien sind eng verwandt mit dem Mongolischen.
Auch die Landschaft und Siedlungsformen ändern sich stark: Die ehemaligen Nomaden betreiben hauptsächlich  Viehzucht und nur wenig Ackerbau (Kartoffeln).
Wie in der Südamerikanischen Pampa werden die Herden von Cowboys zusammengehalten.




Neben der Strasse  sind oft  Marktstände der Landfrauen, die den Passanten frisch gemachte  burjatische Leckerbissen anbieten: hier Teigtaschen mit Hackfleisch (posy).

Felder und Wiesen werden hier mit langen Zäunen umgeben, was im übrigen in Sibirien recht selten ist.

Am Abend sehen wir zum ersten Mal den Baikalsee. Deutlich sichtbar ist der Farbwechsel in der Landschaft.
Abgeschirmt von hohen Bergen fallen hier am  nördlichen Seeufer nur spärliche Niederschläge. 

 Auf die Insel Olchon gelangen wir mit einer Fähre

 Sonnenuntergang um 10Uhr nachts



Der Haupthafen der Insel Olchon: zwei, drei Baracken, sonst nichts......


Am anderen Morgen gehts auf holprigen Pisten durch das steppenartige Gelände.


Unser Standplatz am Steilufer des Sees für vier Tage in der freien Natur

Ein paar wenige Lärchen gedeihen zwischen den Felsen

Die Vegetation auf dem felsigen oder sandigen Boden ist äusserst karg. Allerdings sollte es nach den schon lange erwarteteten Niederschlägen grüner werden.


Typisch die tiefblaue Farbe dieses riesigen Sees von 500 km Länge. Der Inhalt des Sees entspricht  20 % der weltweiten Süsswasserreserven .



 
Klares Wasser, aber sehr kalt (ca 5°C) . Auf dieser Seite der Insel sind die Uferzonen relativ flach.



Kleine Murmeltiere sind ständig auf der Suche nach Essbarem.



Unsere beiden Dolmetscherinen, die die Reise begleiten. Anja links ist Burjatin


Trotz kargem Boden weiden zahlreiche Schafe in unserer Nähe 


Besuch von Nazir, der nach den weidenden Schafen und Kühen Ausschau hält. Nach Besichtigung unserer mobilen Datschas lädt er uns zu einem Besuch auf dem Bauernhof ein. Der Junge ist erst 15 und muss nach nur 7 Jahren Schule nun auf dem elterlichen Hof arbeiten.

Auf der Wanderung dorthin nehmen wir gleich unseren Abfall mit zum 3 km entfernten Kübel mit.


Die Farm liegt direkt neben einer Hochspannungsleitung. Strom wird über den eigenen Transformer abgezweigt



Das Wohnhaus, eine einfache Baracke, aber mit riesigen Satellitenschüsseln



Hinter dem Haus sind die zwei Pferde angebunden.
Der alte Teppich an der Wand hat sich als gedrucktes Tuch herausgestellt....

Neben den Pferden einziges Transportmittel: ein altes Motorrad


Ställe werden nur im Winter gebraucht


Erst einen Tag auf den Beinen, aber schon ganz zutraulich

Tisch zum Scheren der Schafe: Die Wolle wird weggeworfen, da nicht konkurrenzfähig mit Australien.....





Wir werden von dem Usbekischen Bauernpaar begrüsst
und in die einfache Küche gebeten


Der Kachelofen für den Winter

Auf dem Farbfenseher aus den 70er Jahren läuft das Usbekische Programm


Wir kriegen ein usbekisches Frühstück mit Tee, Teigtaschen, frischem Brot , Butter sowie würzigen Käsekugeln (rechts) .

Im Vorraum schlafen die Kinder, in einem Bett.
Die Eltern schlafen neben der Küche, durch einen Vorhang abgetrennt...


Herzlicher Abschied.
Gastfreundschaft wie man sie nur hier erleben kann...

Sommerresidenz eines Fischerpaars am See.



Die Spezialität des Sees: Omul, kalt oder warm geräucht.




Neben dem Buddhismus  gibt es eine alte  schamanistische Tradition auf Olchon . Hier eine Opfestätte mit sogenannten Pferdepfählen an die farbige Bändel mit und ohne Inschrift zur Erfüllung aller Wünsche gebunden werden. Die Farbe Blau dominiert, die Verbindung zum Himmel.



Als Opfer werden kleine Münzen oder auch Zigaretten deponiert




Besuch des Schamanen.
Mit Klangschalen stimmt er uns auf den Anlass ein
Gut erkennbar die gekrümmten Schuhspitzen um die Erde nicht zu verletzen.


Mit geschlossenen Augen entlockt er der Trommel  seltsame Rhytmen

Der Schamane gibt uns einen Einblick in die unbekannte Welt der Naturreligionen.
Der Schamane stellt die Verbindung her zu den Göttern und Dämonen der Unterwelt und des Himmels.
Der Schamanismus kennt keine Bibel oder Kirchen, die Rituale werden mündlich überliefert und in der freien Natur praktiziert.


Detail: deutlich sichtbar der gespaltene Daumen (rechte Hand), der fast etwas unheimlich wirkt.
Die Messingplatten am Hals sollen gegen Dämonen schützen, das Medaillon mit Portrait seiner Mutter zeigt die Bedeutung  derVerehrung der Ahnen.




Eine wichtige Kultstätte: Der Schamanenfelsen




Wir machen einen Ausflug auf der Insel mit alten aber robusten 4x4 OAS-Bussen, die besser mit den Pisten im Norden zurechtkommen.

Auf der Insel gibt es nur noch wenige kleine Siedlungen


Traditioneller  Empfang mit einer Schale Milch und einer Schale mit wohlriechendem, glühendem Pflanzenmaterial
Destillationsapparat zur Herstellung eines schnappsartigen Getränkes aus vergorener Milch.
Unten wird geheizt, oben mit einem Beken kalten Wassers gekühlt

In der Mitte wird der Schnaps aufgefangen.
Jeder kriegt ein Glas. Schmeckt so wie die Anlage aussieht.

Die Dorfälteste erklärt uns die Inneneinrichtung einer Holzjurte

Ringkampf wird schon von Jugendlichen praktiziert

Die Grossmutter schaut, dass beide zum Sieger werden






Im Norden der Insel werden die Lärchenwälder dichter

mit wilden Rhododendren dazwischen

Ein paar wenige Blumen haben sich an den trockenen Sandboden anpassen können.


Zum Mittagessen gibts Fischsuppe : Omul und Kartoffeln


Verfeinert wird die Suppe mit Vodka und dann mit einem glühenden Ast gerührt.








Rotfarbige Flechten bedecken das Gestein


Die Nordspitze der Insel: rechts die Steilküste. Hier gehts 1700 m in die Tiefe!!!!
Der See bildete sich in einem Riss der Kontinentalplatte.
Rückfahrt auf sandigen Pisten, die nur mit 4x4 Fahrzeugen gemeistert werden können


Auch hier gibts COOP: es ist der einzige Laden auf der Insel...



Der Laden bietet ein Sammelsurium an Lebensmitteln und Haushaltswaren.
Es reicht fürs Ueberleben

Sogar dunkles festes  Brot kriegt man, etwas was wir in den kommenden Wochen  in Asien vermissen werden. 



Die Dorfjugend lässt sich gerne fotografieren.



Frische Fische vom Fischhändler und Fladenbrot bilden das Nachtessen




Die Möwen warten auf die Fischabfälle

Ausflug auf dem Wasser: Wir werden direkt an unserem Standplatz abgeholt...



Das Schiff schon etwas älter: Jahrgang 1951 !!! (ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste)
Aber GPS und Fishfinder sind vorhanden


Fütterung der Möwen, die auf den Felsinseln ihre Nester haben


Weiss getünchter Fels durch den Kot der Kormorane

Ein Lastwagen (Vorkriegsmodell ?) bringt uns Feuerholz.




Das Abschiedsessen auf Olchon ist angesagt: Ein Hammel wird geschlachtet. Alles wird verwertet, Innereien werden mit Kartoffeln auf dem Feuer gekocht (Bild), daneben garen die Fleischstücke in einem Sud.

Zum  Abschluss wird eine Delikatesse serviert: Schafmagen mit gekochtem Blut.
Sieht schön aus und mundet vorzüglich.

Auf der Rückfahrt verdunkelt sich der Himmel, wir nähern uns einem Waldbrand


Ein grossflächiger Brand schwellt  in den unzugänglichen Hügeln .Die Frau im Vordergrund bringt Löschwasser von Hand zu einer Brandstelle. Unmöglich so ein Feuer wirklich zu bekämpfen....
Glühende Holzstücke rollen bis auf die Dorfstrasse runter....

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