Montag, 6. Juni 2011

09 Jekaterinburg


Vor Jekaterinburg liegt die offizielle Grenze zwischen Europa und Asien. Die Grenzziehung wurde mehrmals geändert, doch heute basiert die Linie auf wissenschaftlichen Fakten.:
Geologisch gesehen stossen hier  die Asiatische und Europäische Platten zusammen und bildeten den Ural, der auch zudem Wasserscheide ist. Oestlich wird über die Wolga ins kaspische Meer entwässert, westlich fliessen alle Gewässer in den Ob der ins Polarmeer mündet.



Jekaterinburg ist die viertgrösste Stadt in Russland mit 1.4 Mio Einwohner, wurde benannt nach der russischen Kaiserin Katharina II, aus deutschem Adel stammend. In der Sowietzeit hiess die Stadt und der Bezirk Swerdlowsk. Die Bahnstation heisst noch heute so und die Zeitangaben im Fahrplan enstprechen Moskauer Zeit (- 2 hr)

 Gegründet wurde die Stadt von Peter der Grossen, der hier eine Eisenhütte errichten liess.
Holz als Brennstoff gab es reichlich in den Uralhügeln ...

und der Fluss lieferte die notwendige Antriebskaraft

Unser Tourguide, eine Deutschlehrerin von Jekaterinburg bessert während der 3 monatigen Sommerferien mit Nebenjobs Ihr Geehalt auf. Die Frau ist sehr belesen und spricht ein perfektes Hochdeutsch, hat  aber nie in Deutschland gelebt. Sie versucht uns die Geschichte dieser Stadt näher zu bringen



Der Handel dieser strategisch ideal gelegenen Stadt entwickelte sich prächtig, was an den
eleganten alten Handelshäusern ersichtlich wird. Die Fassadengestaltung ist eine Vermischung verschiedener Stile, da der Bauherr stolz meinte er könne sich das leisten.


 Anfang 1918 nahm die Geschichte einen turbulenten Verlauf: Der Zar Niklaus II wurde mit seiner Famlie aus der Verbannung in Sibirien nach Jekaterinburg geholt.


 Sie residierten unter Hausarrest in diesem Haus, bis sie eines Nachts im Keller erschossen wurden.
Das Haus hat Jelzin abreissen lassen um die Geschichte auszublenden.


Später erichtete die orthodoxe Kirche für 100 Mio $ die Kathedrale des Blutes, exakt über dem Haus....

Heute ein Wallfahrtsort und Treffpunkt der Randständigen

 Blick von der Kathedrale auf die Neustadt

Vor der Kirche vebeugt man sich vor dem Fortgehen

Die sterblichen Reste der Zarenfamilie  wurdne ausserhalb der Stadt in eine alte Erzgrube geworfen und erst viel später exhumiert und nach St Petersburg gebracht. Heute steht hier ein Kloster  mit 7 Holzkirchen, das an die siebenköpfige Zarenfamilie erinnert.
Hier das typische orthodoxe Kreuz: mit zusätzlichem Querbalken oben für die Hände und schrägem Querbalken unten für die Füsse ( einer gegen den Himmel, einer gegen die Erde)


Gerne setzt man sich vor der Büste des letzten Zaren in Pose... Man beachte die zunehmend asiatisch geprägten Gesichter..


Für den Besuch der Kirche müssen sich die Frauen verhüllen. Richtig chic....


Alles im Blockhausstil gebaut



Eine spezielle Atmosphäre herrscht im Inneren.

Der Ort wird auch sehr gerne von Hochzeitsgesellschaften besucht.


In der Stalinzeit war Jekaterinburg eine gesperrte Stadt, da eine  bedeutende Rüstungsindustie hier aufgebaut  wurde.
In der Umgebung gab es viele Arbeitslager (Archipel Gulag) und viele der politischen Gefangenen sind nie mehr nach Hause zurückgekehrt. Hier eine Gedenkstätte an einem Massengrab von 18'000 Opfern...
Auch heute gibt es noch mehrere gesperrte Städte in der Umgebung, die auf keiner Landkarte eingezeichnet sind...

Heute eine pulsierende, rasch wachsende Stadt.
Im Hintergrund der nie fertig gebaute Fernsehturm.


Eine Stadt voller Leben . Hier geniesst eine Rentnerin den Kaffee auf der von Ihr mitgenommenen Tischtuch.


 Architekturstile der Neuzeit. Jeder Präsident oder Führer der Sowietunion hat sich im Wohnungsbau ein Denkmal gesetzt: Stalin baute Riesige Wohnungen, wobei aber jede Familie nur ein Zimmer hatte (Kommunen). Später wurden Kleinstwohnungen  von 30 m2 gebaut, dafür umso mehr. 
 Hier ein Altbau aus den 50er Jahren, die Fassade gleicht einer wehenden Fahne. Quadratmeterpreise stolze 2500 Euro. Die Russen sind daher meist Mieter.





Immer wieder kreuzen wir die Transibirische Eisenbahn, ein wichtiges Transportmittel im riesigen Sibirien..



 

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