Wir sind in Turkmenistan. Man reibt sich die Augen: Im Gegensatz zu Uzbekistan breite gepflegte Teerstassen und prunkvolle Verwaltungsbauten im kleinen Grenzstädtchen Dashogus, mitten in der Karakum Wüste.
Ein lokaler Guide mit Chaufeur hat uns abgeholt, da man in diesem Land nicht alleine unterwegs sein darf. Er erklärt uns, dass er uns heute noch zur Gruppe zurückbringen will, die schon im 550 km enfernten Ashgabat auf uns wartet... Und dies alles noch schnell am Nachmittag....
Die Kommunikation mit der Gruppe war abgebrochen seit diese in Turkmenistan eingereist ist.
Am Abend erreichen wir tatsächlich das Eingangstor der Hauptstadt Ashgabat ohne grössere Probleme
Man kanns fast nicht glauben: grosszügige Autobahnen und Kreisel mit Monumenten und Wasserspielen
Glaspaläste in Hülle und Fülle für die ansässigen Geschäfte, doch meist noch leerstehend.
Ashgabat by night: im Zentrumüberall Denkmäler und Parks .
Der verstorbene grosse Führer Turkmenbashi, der Initiator dieser Retortenstadt, geniesst eine fast göttliche Verehrung: Eine goldene Statue und eine Riesenmoschee mit Mausoleum sind zu seinem Gedenken errichtet worden.
In den Parks kunstvolle Beleuchtung und Wasserspiele in allen Farben.
Fast wie in Las Vegas, doch die Leute die das alles geniessen sollen bleiben lieber zu Hause.
Alles ist perfekt und vom Feinsten, doch die Atmosphäre ist steril...
Alle Gebäude müssen mit weissem importiertem Marmor verkleidet werden.
Architektur und Grösse der Bauten entsprechen einer Weltstadt, dabei hat Turkmenistan nur 5 Mio Einwohner
Selbst Appartementhäuser sind mit Marmor verkleidet und nachts stets voll beleuchtet
Ständig wechselnde Farben und Lichteffekte gehören zum Standardprogramm für alle Bauwerke
Unglaublich was man mit Oel und Gas alles finanzieren kann.....
Unglaublicher auch dieser Kontrast: Ausserhalb der Stadt ist meist nur noch Wüste.
Entlang der Strassen werden Bäume gesetzt um den etwas tristen Eindruck aufzupolieren
Ein alter Bekannter in der Wüste: blühende Tamarisken
Wo bewässert wird, gedeihen Trauben oder Baumwolle
Einer der wenigen Bahnübergänge. Die Barriere wird immer noch von Hand bedient
Alte Ruinenstadt mit Lehmbauten, die vor fast 800 Jahren durch die Mongolen zerstört wurde.
In der Umgebung findet man jede Menge alter Tonscherben, Zeugnisse einer vergangenen Kultur
Ein Nachfahre ist der Inspektor der Ruinenstätte und wacht darüber, dass nichts wegkommt
Nicht ganz so prunkvoll wie in der Hauptstadt: Die Landbevölkerung lebt in einfachen Häuser aus der Sowietzeit.
Hier auf dem Lande ist die Arbeitslosigkeit besonders gross: 20%
In der Oelindustrie, dem wichtigsten Arbeitgeber, arbeiten hauptsächlich ausländische Spezialisten von Amerika, Korea oder China
Obwohl alles sehr billig ist (Diesel 15 Rp/l, Wohnung und Elektrisch fast gratis) machen die Leute keinen besonders glücklichen Eindruck: Die persönlichen Freiheiten und die Kommunikation nach Aussen (z.B. Internet) sind sehr stark eingeschränkt. Europäische Mobil- und Satellitentelefone funktionieren nicht, wir hatten für eine Woche keine Kommunikation mit der Gruppe mehr. Vom grossen Reichtum des Staates fliesst wenig zurück zum Volk. All die Investitionen in Prunkbauten sind nicht wirklich nachhaltig um eine solide Heimindustrie aufzubauen, da zuviel einfach importiert wird.
Zudem wurde lange Zeit die Ausbildung der jungen Generation vernachlässigt. Ein unwissendes Volk ist einfacher zu regieren.....
Stall und Wohnhaus mit Heuvorrat auf dem Dach: Hilft gegen die Wärme im Sommer und gegen Kälte im Winter
Wir sind im Osten Turkmenistans, in Mary, der nach Ashgabat grössten Stadt Turkmenistans. In den Aussenbezirken Plattenbauten im Sowietstil,
doch im Zentrum alles wieder vom Feinsten.
Besonders grossartig die neue Moschee mit integriertem Platz mit Wasserspielen
Wir machen einen Ausflug nach Merv, einem früher wichtigen islamischen Zentrum und Handelsplatz an der Seidenstrasse, genannt Queen of the World.. Die Stadt wurde von den Mongolen im 13. Jh zerstört.
Heute sind von der einstigen blühenden Stadt mit damals über 100000 EW nur noch wenige Ruinen übrig: Hier der ehemalige Palast einer einflussreichen Familie
Ueberreste der Kuppelkonstruktion im Palastinneren
Was aussieht wie eine Sanddüne ist die ehemalige 30 m dicke Stadtmauer: Das Bild zeigt, wie gross diese damalige Siedlung war. Die Stadt wurde nach der Zerstörung aufgrund von Wassermangels noch zweimal weiter westlich neu aufgebaut, hat aber nicht bis in die heutige Zeit überleben können
Grund des Wassermangels war der in diesem flachen Gebiet sich ständigändernde Flusslauf.
Heute ist der ganze Fluss kanalisiert
Das Mausoleum aus dem 12. Jh von Sultan Saniar aus der Dynastie der Turkmen Seljuken
Das Bauwerk gilt aufgrund seiner Ausgewogenheit als eine Perle islamischer Architektur.
Schulmädchen in Arbeitstracht: Grün ist die Nationalfarbe
Hochzeitspaar in traditioneller Kleidung. Der Mund der Frau bleibt züchtig verdeckt
Nach dem der Bräutgam seine neue Frau kurz sehen konnte, kriegt diese sogar noch einen Schleier
Von Mary gehts nun endgültig Richtung Westen. Unterwegs ein Beispiel einer Planungsruibe: Autobahnbrücke inkl Strassenbeleuchtung steht ungenutzt in der Wüste
So romantische Landschaften haben eher Seltenheitswert in Turkmenistan
Kein Salzlager für den Winter: kunstvoll aufgeschichtete Baumwollberge als Rohstofflager für die Fabrik nebenan.
Ein verücktes Land voller Widersprüche. Doch der Westen schweigt, da wirtschaftliche Interessen und die Nähe zu Afghanistan wichtiger sind.
Wir sind alle froh: morgen gehts über die Grenze in den Iran. Wir sind gespannt auf die dortigen Verhältnisse . Mehr Kontrolle und Einschränkung der Menschenrechte sind kaum noch vorstellbar.
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