Montag, 10. Oktober 2011

35 Turkmenistan




Wir sind in Turkmenistan. Man reibt sich die Augen: Im Gegensatz zu Uzbekistan breite gepflegte Teerstassen und prunkvolle Verwaltungsbauten im kleinen Grenzstädtchen Dashogus, mitten in der Karakum Wüste.
 Ein lokaler Guide mit Chaufeur hat uns abgeholt, da man in diesem Land nicht alleine unterwegs sein darf. Er erklärt uns, dass er uns heute noch zur Gruppe zurückbringen will, die schon im 550 km enfernten Ashgabat auf uns wartet... Und dies alles noch schnell am Nachmittag....
Die Kommunikation mit der Gruppe war abgebrochen seit diese in Turkmenistan eingereist ist.


Am Abend erreichen wir tatsächlich  das Eingangstor der Hauptstadt Ashgabat ohne grössere Probleme 


Man kanns fast nicht glauben: grosszügige Autobahnen und Kreisel mit Monumenten und Wasserspielen




Glaspaläste in Hülle und Fülle für die ansässigen Geschäfte, doch meist noch leerstehend.


Ashgabat by night: im Zentrumüberall Denkmäler und Parks .
Der verstorbene grosse Führer Turkmenbashi, der Initiator dieser Retortenstadt, geniesst eine fast göttliche Verehrung: Eine goldene Statue und eine Riesenmoschee mit Mausoleum sind zu seinem Gedenken errichtet worden.


In den Parks kunstvolle Beleuchtung und Wasserspiele in allen Farben.
Fast wie in Las Vegas, doch die Leute die das alles geniessen sollen bleiben lieber zu Hause.
Alles ist  perfekt und vom Feinsten, doch die Atmosphäre ist steril...

Alle Gebäude müssen mit weissem importiertem Marmor verkleidet werden.
Architektur und Grösse der Bauten entsprechen einer Weltstadt, dabei hat Turkmenistan nur 5 Mio Einwohner


Selbst Appartementhäuser sind mit Marmor verkleidet und nachts stets voll  beleuchtet


Ständig wechselnde Farben und Lichteffekte  gehören zum Standardprogramm für alle Bauwerke

Unglaublich was man mit Oel und Gas alles finanzieren kann.....


Unglaublicher  auch dieser Kontrast: Ausserhalb der Stadt ist meist nur noch Wüste. 
Entlang der Strassen  werden Bäume gesetzt um den etwas tristen Eindruck aufzupolieren




 Ein alter Bekannter in der Wüste: blühende Tamarisken





Wo bewässert wird, gedeihen Trauben oder Baumwolle



Einer der wenigen Bahnübergänge. Die Barriere wird immer noch von Hand bedient




Alte Ruinenstadt mit Lehmbauten, die vor fast 800 Jahren durch die Mongolen zerstört wurde.


In der Umgebung findet man jede Menge alter Tonscherben, Zeugnisse einer vergangenen Kultur


Ein Nachfahre ist der Inspektor der Ruinenstätte und wacht darüber, dass nichts wegkommt




Nicht ganz so prunkvoll wie in der Hauptstadt: Die Landbevölkerung  lebt in einfachen Häuser aus der Sowietzeit.
Hier auf dem Lande ist die Arbeitslosigkeit besonders gross: 20%
In der Oelindustrie, dem wichtigsten Arbeitgeber, arbeiten hauptsächlich ausländische Spezialisten von Amerika, Korea oder China

Obwohl alles sehr billig ist  (Diesel 15 Rp/l, Wohnung und Elektrisch fast gratis) machen die Leute keinen besonders glücklichen Eindruck: Die persönlichen Freiheiten und die Kommunikation nach Aussen (z.B. Internet) sind sehr stark eingeschränkt.  Europäische Mobil- und Satellitentelefone funktionieren nicht, wir hatten für eine Woche keine Kommunikation mit der Gruppe mehr. Vom grossen Reichtum des Staates fliesst wenig zurück zum Volk. All die Investitionen in Prunkbauten sind nicht wirklich nachhaltig um eine solide Heimindustrie aufzubauen, da zuviel einfach  importiert wird.
Zudem wurde lange Zeit die Ausbildung der jungen Generation vernachlässigt. Ein unwissendes Volk ist einfacher zu regieren.....

Stall und Wohnhaus mit Heuvorrat auf dem Dach: Hilft gegen die Wärme im Sommer und gegen Kälte im Winter



Wir sind im Osten Turkmenistans,  in Mary, der nach Ashgabat grössten Stadt Turkmenistans. In den Aussenbezirken Plattenbauten im Sowietstil,




doch im Zentrum alles wieder vom Feinsten.


Besonders grossartig die neue Moschee mit integriertem Platz mit Wasserspielen



Wir machen einen Ausflug nach Merv, einem früher wichtigen islamischen Zentrum und Handelsplatz an der Seidenstrasse, genannt Queen of the World.. Die Stadt wurde von den Mongolen im 13. Jh zerstört.


Heute sind von der einstigen blühenden Stadt mit damals über 100000 EW nur noch wenige Ruinen übrig: Hier der ehemalige Palast einer einflussreichen Familie



Ueberreste der Kuppelkonstruktion im Palastinneren

Was aussieht wie eine Sanddüne ist die ehemalige 30 m dicke Stadtmauer: Das Bild zeigt, wie gross diese damalige Siedlung war. Die Stadt wurde nach der Zerstörung aufgrund von Wassermangels noch zweimal weiter westlich neu aufgebaut, hat aber nicht bis in die heutige Zeit überleben können


Grund des Wassermangels war der in diesem flachen Gebiet  sich ständigändernde Flusslauf.
Heute ist der ganze Fluss kanalisiert




Das Mausoleum aus dem 12. Jh von Sultan Saniar aus der Dynastie der Turkmen Seljuken
Das Bauwerk gilt  aufgrund seiner Ausgewogenheit als eine Perle islamischer Architektur.





Schulmädchen in Arbeitstracht: Grün ist die Nationalfarbe

Hochzeitspaar in traditioneller Kleidung. Der Mund der Frau bleibt züchtig verdeckt

Nach dem der Bräutgam seine neue Frau kurz sehen konnte, kriegt diese sogar noch einen Schleier



Von Mary gehts nun endgültig Richtung Westen. Unterwegs ein Beispiel einer Planungsruibe: Autobahnbrücke inkl Strassenbeleuchtung steht ungenutzt in der Wüste



So romantische Landschaften haben eher Seltenheitswert in Turkmenistan


Kein Salzlager für den Winter: kunstvoll aufgeschichtete Baumwollberge als Rohstofflager für die  Fabrik nebenan.

Ein verücktes Land voller Widersprüche. Doch der Westen schweigt, da wirtschaftliche Interessen und die Nähe zu Afghanistan wichtiger sind.
Wir sind alle froh: morgen gehts über die Grenze in den Iran. Wir sind gespannt auf die dortigen Verhältnisse . Mehr Kontrolle und Einschränkung der Menschenrechte sind kaum noch vorstellbar.

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