Sonntag, 4. September 2011

30 Kashgar - Bishkek






Wir verlassen die wüstenähnliche  Ebene um Kashgar  und fahren durch ein langestrecktes Tal Richtung Torugat Pass, der uns nach Kirgisien führen soll.
Die Zollabfertigung erfolgt bereits 100 km vor der Grenze.  Das übliche umständliche Verfahren: Chassisnummer und Motornummerkontrolle, Visakontrollen etc etc... 

Die letzten 100 km in China gehen durch eine bizarre Landschaft, wobei wir  kontinuierlich an Höhe gewinnen.
Das Wasser des Flusses ist durch Erde tief rot gefärbt.




Pastellfarben, wie ein Gemälde  

Entlang der Strasse sind  nur vereinzelte kleine Siedlungen mit meist verfallenen Häusern anzutreffen.


Auch in dieser hintersten Ecke Chinas ist der Islam präsent


Neben Lehmhäuser gibts auch gemauerte Jurten



Der Pass wird hauptsächlich vonchinesischen LKW's  für Warentransporte nach Kirgisien gebraucht


Endlich erreichen wir auf 3700 m die eigentliche Grenze, nachdem wir nochmals 2 Checkpoints passiert haben.
Die Grenze wird  durch einen verzinkten Zaun markiert und gesichert.



Der Konvoi stoppt am Grenztor zu einer letzen Kontrolle der Papiere.
Vor dem passieren des Tores muss erst noch ein Graben quer zur Strasse zugeschüttet werden...
Man kann wirklich nicht von einer offenen Grenze sprechen



Ein letzter Blick zurück nach China
Auf dem Hügel rechts ist ein Wachturm installiert....





Auf der kirgisischen Seite erreicht man auf 3600m eine Hochebene inmitten der 4000er  mit See und sprudelnden Quellen (Bild).
Die Zollabfertigung findet in einem Schuppen statt ohne grosse Formalitäten. Die Zöllner sind eingehüllt in dicke Mäntel und Kappen..
Welch ein Wechsel der Kulturen....




Am anderen Morgen liegt frischer Schnee auf den umliegenden Bergen, das Wasser in der Quelle ist gefroren...
Zm Glück haben unsere Wohnmobile eine Heizung



Auch in dieser hochalpinen Lage gibt es Leben: Weit auseinanderliegende  Jurten  und Pferdeherden, ein Bild wie man es aus der Mongolei kennt.


Wir stoppen bei einer Jurte um Frischkäse zu kaufen.
Den Preis schreibt mir der Junge auf die staubige Wagentür.
50 Som (ca 1 Sfr) für einen ganzen Sack voll.
Ich gebe ihm meine kleinste Note, einen Hunderter.
Der Junge schaut mich lange an und weiss nicht was er machen soll. Natürlich hat er kein Retourgeld bei sich.
Dann lacht er glücklich und macht sich aus dem Staub.


Am Wegrand wartet eine ganze Familie und winkt freundlich. Wir glauben sie möchten uns Kumis (vergorenene Stutenmilch) verkaufen. Die Frau spricht Russisch wie ein Buch und deutet auf die drei älteren Knaben. Endlich haben wir verstanden: Die Knaben sollen mit uns ein Stück fahren.
Wir willigen ein und die Knaben mit viel  Gepäck und Schachteln sind schon im Wohnmobil.
Auf die Frage wieweit wir  sie fahren sollen verstehe ich nur Airport und   Bishkek, ca 400 km von hier.
Erst als wir der Mutter erklären, dass unser Weg ueber einen Umweg von 500 km  nach Bishkek führt , entschuldigt sie sich und die Knaben verlassen enttäuscht das  Wohnmobil. 
Erst später klärt sich das Rätsel, dank unserem russischen Guide. Morgen ist Schulanfang und wir sollten ihre Kinder nach Bishkek zur Schule bringen


Reparatur Werkstätteauf 3000m.  Zum Glück läuft unser Sprinter ohne Probleme.

Unendlich weite Steppen auf diesem Hochplateau. Im Gegensatz zu China gibts hier nur Schotterstrassen 




Disteln am Wegrand

Wir fahren in ein Seitental nach Tash Rabat, entlang der alten Seidenstrasse





Unser Uebernachtungsplatz ist bei einer alten Karawanserei aus dem 10 Jh.
Die Karawanen benutzten solche solide gebauten Herbergen, um besser gegen umherziehende  Räuber geschützt zu sein.






Heute übernachten hier vor allem Globetrotter  in den umliegenden Jurten.
Man beachte die Türeingänge, die mit typischen Filzteppichen (Shyrdaks) verschlossen sind


Die Zeiten als Karawanen mit Kamelen vorbeizogen sind längst vorbei


Die Bäuerin von nebenan  verkauft auch Souvenirs, hauptsächlich selbstgefertigte Filzwaren.




Abends gibts ein kirgisisches Nachtessen: selbstgemachtes Brot mit frischer Konfitüre als Vorspeise, Kartoffeln, Kohl und Lammfleisch als Hauptgang.
Gegessen wird an niedrigen Tischen, auf dem Sofa oder auf Kissen am Boden sitzend.



Dazu wird Tee serviert. Der Samowar dient zur Heisshaltung des Wassers, das zur Verdünnung des starken Aufgusses verwendet wird.
Schuhe werden ausgezogen und am Ofen warm gehalten..

Am Morgen schaut alles gespentisch grau aus

Heuernte auf 2500 m, aufgeladen wird von Hand..



Einfache Siedlungen entlang der Strasse



Immer wieder überraschen die farbenfrohen Alltags-Gewänder


Endlich wieder in einem Städtchen mit Tante Emma Laden. Keine chinesischen Nudeln im Angebot, aber dafür Butter, Käse und Brot, was uns in denn letzten 5 Wochen sehr gefehlt hat.
Gerechnet wird mit Zählrahmen.


Es ist Nationalfeiertag. Kirgisien feiert mit einer Parade 20 Jahre Unabhängigkeit von Russland
Geblieben ist den Kirgisen das Russisch als offizielle Amtssprache.
Auch sind Architektur, Kultur und Lebensweise stark durch Russland geprägt worden.

Typischer Friedhof, meist abseits der Dörfer: Die Toten werden in Tücher gewickelt und begraben. Je nach Stellung und Vermögen baut die Familie ein Grabmal, das auch mal eine kleine Moschee sein kann.Die Gräber bleiben für immer bestehen.





Getreidefelder. Die Ernte erfolgt hier erst im September


In den Talsohlen trifft man auf kleine Dörfer wie Oasen




Männerrunde mit den typischen Filzhüten


Wasser gibts meist nur am Brunnen


Endlich wieder einmal richtige Tannenwälder.
Die Jurten sind nahe an der Strasse aufgebaut um die eigene Produkte einfacher an den Mann zu bringen 


Kirgisisches Wohnmobil die Alternative zu Jurten: Gekocht wird am Herd draussen

Aufstieg zu einem weiteren 3100 m Pass



Uebernachtungsplatz auf 2900m auf der alten Passstrasse

Spektakuläre Panoramas geben einen Eindruck der Bergketten des Tien Shan 


Typisches Bauernhaus mit Kaltdach.
Wie das wohl im Winter bei -20°C mit Kuhdung warmgehalten werden kann?



Entlang der zahlreichen Flüsse ist alles saftig grün, im Gegensatz zu den kargen  Hügeln
,

Bauernhaus mit Oldtimer Lastwagen und trockenem Kuh/Pferdedung für den Winter


Im Hintergrund verschneite Gipfel ohne Ende

Oft wächst entlang der Strassen wilder Sanddorn



Trutthähne am Wegrand


Kleiner Schwatz unter Bauernsleuten am Marktplatz in Kochkor


Verkauf von Wassermelonen direkt ab Lastwagen
Die Polizisten tragen immer noch die alten sowietischen Uniformen


Erster Schultag nach den Sommerferien. Ueberall festlich gekleidete Mütter und Kinder mit Blumensträussen





Parade fast wie am Kinderumzug des Sechseläutens

Am Markt kauft man sich Schulhefte und Tornister resp. Rucksack



Wieso Kirgisen bei warmen sommerlichen Temperaturen Regenmäntel tragen ist mir unklar. 



Wir sind in einer Manufaktur für kirgisische Filzteppiche (Shyrdaks).
Die Bsitzerin demonstrier die Herstellung des Filzes


Im Laden stossen wir auf eine wahre Fundgrube: lauter alte Türeingangsbehänge mit feinen Stickereinen 


Die wenigen ebenen Flächen werden meist  genutzt für Getreideanbau


Stausee inmitten der Steppe: hätte ein bisschen Regen nötig



 Erster Blick auf den Issykul See, der 200 km lang und 70 km breit ist. Das tiefblaue, leicht salzhaltige Wasser ist bis 700 m tief und gefriert trotz kalten Wintern aufgrund  geothermischer Effekte nie.
Der See hat nur Zuflüsse aber keinen Abfluss. Trotzdem bleibt der Wasserspiegel konstant.





Die Dächer der zahlreichen kleinen Moscheen sind mit verzinktem Blech verziert.
Die Muslime hier sind nicht so strenggläubig wie in Uigurien. Verschleierung der Frauen kennt man hier nicht. Selbst Kopftücher werden von den jungen Frauen nur selten getragen.


Unser Uebernachtungsplatz direkt am See

Entlang des Sees gedeihen Obstbäume dank des milden Klimas besonders gut



Ausflug in ein Seitental der südlichen Bergkette


Bergbäche wie in der Schweiz

Wir klettern kontinuierlich hoch und erreichen eine hochalpine Landschaft



Wir nähern uns einem der zahlreichen Gletscher


Eine perfekte gepflegte Kiesstrasse führt uns bis auf 3800m...


auf eine Hochebene auf der wir 35 Km fahren
um schliesslich bei einer Goldmine zu landen.
Ab hier ist die Strasse gesperrt.


Wir sind aber nicht allein. Grosse Konvois bringen Material aus dem Tal



Die letzte Steigung wird mit letzter Kraft geschafft


Bauernhaus, könnte in der Schweiz sein..


Rückweg: 2000m tiefer sehen wir den See wieder

Plantage mit Pfirsichbäumen

Unverkennbar russische Architektur





Wir sind in Karakol, am östliche Ende des Issykul Sees, ein kleines Städtchen das während der Sowietzeit viele russische Touristen hatte, heute aber Mühe hat den Anschluss zu finden.
Heute  ein Geheimtip als Ausgangspunkt  für Trekkings ind die umliegenden Berge(bis 7000m)

Marktszene: frisches Gemüse und Obst aus der Umgebung.
Die Gesichtszüge typisch russisch...




Der Basar: die Läden sind in Containern untergebracht



Hier kauft man Busbillets oder lässt sich die Telefonkarten aufladen

In der Nähe liegt das Grabdenkmal und Museum des russischen Naturforschers Prezewalski, bekannt für die Erhaltung der Urpferde (siehe Mongolei)


In mehreren Expeditionen, die meist 2-3 Jahre dauerten, hat Prezewalski  die Wüsten Taklamakan und Gobi durchquert


Der einst gepflegteGarten ist heute ein idyllischer Naturpark 



Die lokale Parkwächterin versucht mit Blumen dem ganzen ein besonderes Gepräge zu geben







Blick vom Grabdenkmal auf den See, der vor 150 Jahren bis hier hinauf gereicht hat.


Idylle mit den Bergketten  im Süden des Issikul Sees





Impressionen vom Nordufer des Sees
Wir durchfahren viele kleine Strassendörfer entlang des Sees.
Eine sehr rurale Gegend und ein völlig unberührtes Seeufer

Reiter und Gänse mit typisch russischem Landhaus im Hintergrund.



Schulkinder: Entgegen unserer ursprünglichen Annahhme, dass diese Trachten nur am ersten Schultag getragen werden, ist dies der offizielle Schuldress mit  weissen Strümpfen, Schürzen und Haarschleifen...



Die Strasse läuft in einiger Entfernung dem See entlang.
Die Ebenen zum See wird für Getreideanbau genutzt


Beidseitig der Strasse sind schattenspendende Pappeln.
Pappeln werden auch als Windschutz zwischen den Feldern gepflanzt

Die dem See entgegengesetzte Seite der Strasse ist meist karg und trocken 


Wasser fürs Wohnmobil holt man am Brunnen


Lastwagen sind meist aus den 50er Jahren


 Unser Uebernachtungsplatz am Sandstrand des Issykul Sees


In der Nähe stehen zwei gemauerte Jurten, die als Sommerdatschas genutzt werden.
Trotz Familienfest werden wir eingeladen die Nationalspeise Kurtaki zu kosten


Lammfleisch, Zwiebeln und Kartoffeln werden auf dem offenen Feuer zubereitet

Auf der anderen Seite der Bucht liegt Cholpon Ata, einer der wenigen Badeorte am See, mit entsprechend vielen Hotels und Rummelplätzen (Riesenrad) für die zahlreichen russischen Urlauber.
Ansonsten sind die Seeufer meist unberührt


Wir verlassen den See und fahren durch ein Flusstal nordwestlich Richtung Bishkek



entlang der gut gesicherten kasachischen Grenze



Einer der wenigen Grenzübergänge. Der Andrang hält sich in Grenzen.

Blick nach Kasachstan: viel trockene Stepe und kahle Hügel



Wir ereichen Bishkek, die moderne  Hauptstadt von Kirgyzstan .
Erstmals sind wir wieder unter 1000 m
(Die durchschnittliche Höhe in Kyrgyzstan ist über 2000 m)
Welch ein Gegensatz nach  all den eindrücklichen ruralen und alpinen Gegenden die wir besucht haben.


Grosszügig angelegte Plätze....

und Denkmäler bereichern die Stadt
Auch Lenin wird immer noch in Ehren gehalten.
Eine eigentliche Altstadt fehlt.
 
Parlamentsgebäude


Regierungsgebäude
 In diesen zwei Gebäuden aus der Sowietzeit wurde erst kürzlich noch Geschichte geschrieben.

In  zwei Revolutionen (2005 / 2010) wurden die Präsidenten wegen Begünstigung des eigenen Clans vertrieben.
Scharfschützen auf dem Dach schossen auf die demonstrierende Menge (siehe Spuren an den Gitterstäben)
Nachdem die Demonstranten sich Panzer eroberten wurde die Gebäude gestürmt und geplündert
Die 2010er Unruhen in Osh, über die auch in unseren Zeitung berichtet wurden, waren eine Folge dieser Erreignisse



Bishkek ist auch als die grüne Stadt bekannt

Grosse Parkanlagen mit Blumen und Kunst laden zum Flanieren im Schatten ein, ...


was bei den sommerlichen Temperaturen sehr angenehm ist

Auf dem Kunstmarkt: Das Bild zeigt ein Reiterspiel mit zwei Parteien, bei dem eine Ziege ohne Kopf in ein definiertes Feld auf dem Platz gelegt  werden muss



Bilder wie man sie in Europa auch findet, einzig die Jurten weisen auf Kirgisien hin

Mit 7400m der höchste Gipfel des Tien Shan: Der Schnee rutscht stets an der glatten Marmorflanke in die Tiefe

Ueberbleibsel vom sowietischen Drill: Wachtablösung am Grab des unbekannten Soldaten
Im Hintergrund das Theater, rechts die Statue von Mansa, dem Author eines kirgisischen Heldenepos, das in Versen und Liedern die heldenhafte Geschichte der Urahnen erzählt


2 Kommentare:

  1. Liebe Judy, lieber Dani, das ist ja alles hochinteressant und wunderschön zum Anschauen. Besonders Kirgisien hat mir sehr gut gefallen. Hoffe, dass Euer Auto keine Pannen mehr hat. Geniesst es weiterhin. Ganz liebe Grüsse Barbara

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